Detaillierte Infos zur Gründung des Vereins KAIB (Kein Atommüll im Bözberg)

Der Bözberg ohne Atommüll!
Zu den vier Hauptargumenten, die zur Gründung der Widerstandsgruppe geführt haben, stellen wir hier gerne noch Detailinformationen zur Verfügung.

Wir wollen keinen Atommüll im Bözberg, weil es eine Abwertung unserer schon zu stark belasteten Region bedeuten würde.

  • Der Kanton Aargau trägt mit den Atomkraftwerken, dem ZWILAG (dem seit 1996 bestehenden Zwischenlager in Würenlingen) dem Zwischenlager in Kölliken und den Autobahnen schon hinreichend Lasten für die gesamte Schweiz.
  • Im November 2008, nachdem das Bundesamt für Energie die sechs möglichen Standorte bekannt gegeben hat (drei davon betreffen Teile des Kantons Aargau), kritisierte der Regierungsrat den starken  Fokus auf unseren Kanton. Er betonte, dass eine Standortwahl, die von „weichen“ Faktoren ausgeht und nicht dem Anspruch an höchste Sicherheit gerecht wird, zurückgewiesen wird. Im Jahr 2009  hat die Regierung wenig Stellung bezogen und die Aussage vom November 2008 nicht mehr bekräftigt.
  • Der Bözberg wird mittlerweile favorisiert, die Sicherheitsfragen sind alles andere als beantwortet. Wir erwarten vom Regierungsrat, dass er endlich klar und unmissverständlich Position gegen ein Atommüll-Lager im Aargau bezieht. Er hat bereits Gründe dagegen genannt (siehe oben), die folglich  auch für den Bözberg gelten.

Wir wollen keinen Atommüll im Bözberg, weil es eine politische und nicht die wissenschaftlich beste Lösung wäre.

  • An den anderen fünf Standorten finden offensivere Auseinandersetzungen statt, verbunden mit dem Willen, eine breite Diskussion in der Öffentlichkeit zu führen. Teilweise stehen überparteiliche Widerstandsorganisationen dahinter, anderseits  auch offizielle Gruppierungen und sogar  Regierungen. In der Region Bözberg ist bisher kaum Widerstand spürbar.
  • Wir wollen mit KAIB eine Plattform bieten, wo neben sachlichen Informationen und Diskussionen auch die Möglichkeit besteht, Ängste und Fragen zu deponieren. Für uns gehören persönliche Befindlichkeiten ebenso dazu wie die fachliche Auseinandersetzung. Alle sollen die Möglichkeit haben, sich in die Diskussionen einzubringen. Die Partizipation darf nicht einfach den Fachleuten überlassen werden.
  • Immer wieder wird bei uns (in den Medien, bei der Nagra, in der politischen Diskussion)  kritisiert, dass sich Regierungen anderer Kantone gegen ein Atommüll-Lager  wehren. Es wird behauptet, dieser Widerstand sei egoistisch und nicht rechtskonform. Da sind wir anderer Meinung.  Teilweise ist ein Nein zum Atommüllager sogar in kantonalen Verfassungen verankert. Natürlich kann ein Kanton nicht rechtlich zwingend vorschreiben, dass es auf seinem oder auf dem Nachbarsgebiet kein Atommüll-Lager gibt. Doch ein Verfassungsartikel  zum Beispiel verpflichtet die jeweiligen Behörden, alle ihnen zur Verfügung stehenden rechtlichen und politischen Mittel zu ergreifen, um ein Atommüll-Lager zu verhindern. Es hängt dann  nicht von  den Mehrheitsverhältnissen oder dem Goodwill der Regierung ab, ob sie sich wehrt; sie muss sich wehren. Diese Bereitschaft fehlt im Kanton Aargau.
  • Der Widerstand einzelner Regionen sei zwecklos, heisst es immer wieder. Wir sehen das anders. Wieso wird der Wellenberg nicht mehr favorisiert, obwohl vor 20 Jahren mit den genau gleichen Argumenten, für ein Atommüll-Lager im Wellenberg gekämpft wurde wie heute beim Bözberg?
  • Die Lagerung von Leicht-. Mittel- und Hochradioaktiven Nuklearabfällen in dicht besiedeltem Gebiet muss vermieden werden. Neben der eigentlichen Lagerung birgt  die überirdische Umlagerung und Verpackung ein unmittelbares und hohes Gefahren- potential.  Diese Vorgänge werden in Industrie, Wald oder an einem Hang stattfinden. Also möglicherweise direkt vor unserer Haustüre...
  • Das Lagern von langlebigen, Atomabfällen im Einzugsgebiet einiger der grössten Europäischen Trinkwasserquellen ist absolut untragbar. Aare, Reuss und Rhein sollen auch für künftige Generationen die Trinkwasserquelle und Lebensgrundlage  bilden. Heute schon beziehen mehr als. 15 Mio. Menschen ihr Trinkwasser aus dem Rhein.
  • Soll unser Abfall jetzt „endgelagert“ werden oder lassen wir der Forschung Zeit, um Verfahren und Techniken zu entwickeln, die den Abfall entsorgen, z.Bsp. Transmutation.
  • Die Schweiz hat jahrelang ihren Atommüll im Meer versenken-  oder im Ausland deponieren lassen. Das finden wir nicht haltbar. Die Atommüllfrage muss in der Schweiz gelöst werden. Wir wollen als  Widerstandsgruppe KAIB diese Verantwortung mittragen. Zum heutigen Zeitpunkt bleiben jedoch zu viele wichtige Sicherheitsfragen offen, um bereits mit dem Bau eines Lagers beginnen zu können. Diese Fragen müssen zuerst beantwortet  sein, bevor wir einem Atommüll-Lager zustimmen. Sonst besteht die grosse Gefahr, dass wir in einigen Jahren oder Jahrzehnten wieder- wie in Kölliken -  vor dem Zwang einer Sanierung stehen. Wie wir aus Erfahrung mit  Kölliken wissen, würde dies  immense Kosten nach sich ziehen. Dieses Geld wäre dringend nötig für eine Interessen- unabhängige Forschung. Bisher wurde die Atomforschung vor allem von der Stromindustrie finanziert, welche auch die Forschungsrichtung vorgab. Für die unabhängige Forschung waren bisher nur wenige Gelder vorhanden. Die Suche nach einer tragfähigen Lösung braucht jedoch die Unabhängigkeit  und die internationale Vernetzung von Fachkräften.
  • Widerstand gibt es an allen Standorten, ausser in der Region Bözberg. Das wollen wir mit KAIB ändern.

Wir wollen keinen Atommüll im Bözberg, weil weltweit keine Erfahrungen mit der sicheren Endlagerung von radioaktivem Abfall gemacht wurden, die technischen Aspekte ungelöst bleiben und wir daher keine Versuchskaninchen sein wollen.

  • Mit den laufenden Standortdiskussionen geht das Wichtigste vergessen: Obwohl auf dem Papier „ein so genannter Entsorgungsnachweis“ erbracht worden sei, gibt es noch zu viele unbeantwortete Fragen. Ein sicheres Atommüll-Lager kann daher zum heutigen Zeitpunkt nicht gebaut werden – unabhängig vom Standort. Das  Atommüllproblem ist nicht gelöst.
  • Die technischen und gesellschaftlichen Herausforderungen im Zusammenhang mit einem  Atommüllager sind immens. Viele elementare Unklarheiten wurden im Nagra-Konzept nicht beseitigt:
    • Wie soll kontrolliert werden,  wie sich das Lager über eine Zeitspanne von 1 Mio   Jahre entwickelt?
    • Wie können Untergrundkonflikte vermieden werden?
    • Wie soll ein Atommüll-Lager  während 1'000'000 Jahre vor unvorhersehbaren Naturereignissen wie Erdbeben und Eiszeiten geschützt werden?
    • Wie soll der Atommüll adäquat verpackt und eingelagert werden?
    • Was für Material soll für die Lagerung verwendet werden, nachdem bis heute noch        keine geeignete Verpackung gefunden wurde?
  • Die Nagra will eine rund fünf Kilometer lange Zufahrt bauen, um mit LKW’s ins Atommüll-Lager zu fahren. Experten beteuern aber, dass  das Wirtsgestein Opalinuston so wenig wie möglich geschädigt werden darf, ansonsten drohen Wasserläufe. Welchen Einfluss haben Eisenbahn- und Autobahntunnel auf die Stabilität von einem möglichen Atommüllager?
  • Sicher ist nur das Risiko: Ein Atommüllager-Konzept, das ewige Sicherheit verspricht, ist nicht sicher. Bevor die geeigneten Standorte gewählt werden und ein schein-partizipatives Mitspracheverfahren aufgegleist wird, müssen offene Fragen beantwortet werden und es muss  aufgezeigt werden, wie ein Atommüll-Lager im Zeitraum von einer  Million Jahre gesichert werden kann. Es braucht Lösungen auf Zeit, keine Schnellschüsse, die Generationen nach uns bitter bezahlen müssen.
  • Solange die aufgezeigten zahlreichen  Unklarheiten vorhanden sind, ist das Sachplanverfahren in Frage zu stellen. Wir stehen nicht unter Zeitdruck. Der Atommüll läuft uns nicht davon!

Wir wollen keinen Atommüll im Bözberg, weil das Projekt „Jurapark“ nicht mit einem Atommüll-Lager zu vereinbaren ist.

  • Der Bözberg ist ein Beispiel intakter Natur, verbunden mit einer hohen Wertschöpfung und liegt mitten im geplanten Jurapark.  Das Bundesamt für Umwelt hat den Jurapark nach mehrjähriger Vorbereitung als Kandidaten für das Label „Regionaler Naturpark von nationaler Bedeutung“ erklärt und damit ein klares Zeichen gesetzt. Der Mehrwert für die  Region soll weiter generiert werden, was mit dem Aufbau und der Begleitung von weiteren umweltverträglichen Projekten verbunden ist. Wie soll das vereinbar sein mit einem Atommüll-Lager?
  • Der  Jurapark Aargau, dessen Eröffnungsfest am 23. Mai stattfindet, ist ein regionaler Naturpark im Sinne des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz. In einem regionalen Naturpark wird die Qualität von Natur und Landschaft erhalten und gepflegt, eine nachhaltig betriebene Wirtschaft gestärkt und nicht Atommüll gelagert!
  • Die sozioökonomische Studie des Kantons Schaffhausen hat aufgezeigt,  dass die viel beschworenen wirtschaftlichen Vorteile eines Atommüll-Lagers nicht wirken,  im Gegenteil: Ein Atommüll-Lager würde  sich als wirtschaftlichen Nachteile erweisen. Auch für den Jurapark würde dies einschneidende  negative Folgen haben.